15 March 2026, 22:02

Wie Neslihan Arol das türkische Meddah-Theater in Berlin revolutioniert

Eine Gruppe von Menschen auf einer Bühne mit einem Banner, auf dem 'Berlin as Fuck' steht, mit Lautsprechern, Mikrofonen und anderen Gegenständen drumherum und einer feiernden Menge unten.

Wie Neslihan Arol das türkische Meddah-Theater in Berlin revolutioniert

Neslihan Arol hat sich mit ihrer mutigen Interpretation des Meddah-Theaters, einer traditionellen türkischen Erzählkunst, einen einzigartigen Platz in der Berliner Kulturszene erobert. Ihre Auftritte, die Humor, Politik und mehrsprachiges Storytelling verbinden, brechen mit Erwartungen und definieren eine uralte Kunstform für ein modernes Publikum neu. Doch der Weg dorthin war alles andere als einfach – geprägt von persönlichen Kämpfen, künstlerischen Experimenten und dem Bruch mit Konventionen.

Arols künstlerischer Werdegang begann mit Widerstand. Ihr Vater riet ihr von der Schauspielerei ab und drängte sie stattdessen zu einem Studium der Chemieingenieurwissenschaft. Doch ihre Leidenschaft für die Bühne blieb ungebrochen. Nach acht Jahren der Suche nach ihrer eigenen Stimme zog sie 2014 nach Berlin, wo sie sich der Comedy, dem Clownspiel und dem Stand-up zuwandte. Ihre erste größere Arbeit schrieb sie über Clowns aus feministischer Perspektive – für sie ein Mittel, um sich von den starren Rollenbildern zu befreien, die Frauen im Theater oft zugewiesen werden.

Ihr Durchbruch gelang ihr mit dem Meddah, einer Erzähltradition aus dem osmanischen 16. Jahrhundert, die sie als feministische Experimentierbühne neu interpretierte. Seit ihrem Debüt 2022 tritt sie regelmäßig in Häusern wie dem Ballhaus Naunynstraße oder dem Haus der Kulturen der Welt auf. 2023 inszenierte sie Meddah in der Metropole im Theaterhaus Berlin-Mitte, gefolgt von einer Workshop-Reihe 2024 am Goethe-Institut und geplanten Kooperationen bei den Berliner Festspielen 2025.

Auf der Bühne verwandelt sich Arol in einen Wirbelsturm aus Figuren, wechselt mühelos zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch. Ihre Performances entlarven Machtstrukturen, während sie Frauen feiern, die laut, unperfekt und kompromisslos lustig sind. Neben ihr steht ein kleines Teelicht – Symbol für die Menschlichkeit des Meddah, ein Herz, das von Liebe zu anderen erleuchtet wird und bereit ist, für die Gemeinschaft hell zu brennen. Früher nutzte sie eine Gaslampe, doch nach einem Beinahe-Unfall stieg sie auf die sicherere Kerze um. Jeder Auftritt endet gleich: Sie bläst die Flamme aus und hinterlässt beim Publikum das Versprechen, mit neuen Geschichten zurückzukehren.

Arols Werk verbindet jahrhundertealte Tradition mit drängenden zeitgenössischen Themen. Durch das Meddah hat sie eine Plattform gefunden, um Feminismus, Identität und die Kraft des Erzählens zu erkunden. Ihr wachsender Einfluss in der Berliner Theaterszene bestätigt ihren Status als Bewahrerin kulturellen Erbes und zugleich als furchtlose Innovatorin.

Quelle