Milo Rau inszeniert fiktiven AfD-Prozess bei den Lessing-Tagen in Hamburg
Klemens GorlitzRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktiven AfD-Prozess bei den Lessing-Tagen in Hamburg
Der Schweizer Regisseur Milo Rau bringt sein politisch aufgeladenes Theater erstmals nach Hamburg
Sein jüngstes Projekt, ein dreitägiger Scheinprozess mit dem Titel "Prozess gegen Deutschland", wird in diesem Jahr die Lessing-Tage Hamburg abschließen. Anders als klassische Theaterstücke wird diese Produktion nicht von Schauspielern, sondern von echten Juristen und Rechtsexperten bestritten.
Im Mittelpunkt steht eine fiktive Debatte über ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen AfD. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Rolle der vorsitzenden Richterin, während der gesamte Prozess live auf der Website des Thalia Theaters übertragen wird.
Milo Rau hat sich einen Namen damit gemacht, Theater und reale Politik zu verschränken. Seine früheren Arbeiten wie "Das Kongo-Tribunal" (2015) und "Die Moskauer Prozesse" (2013) inszenierten historische Ereignisse mit Beteiligten statt mit Berufsschauspielern. Diese immersiven, dokumentarischen Produktionen wurden auf renommierten Festivals gefeiert, darunter das Berliner Theatertreffen und die Biennale Venedig, wo er 2018 den Goldenen Löwen gewann. Zuvor leitete er von 2016 bis 2020 als künstlerischer Direktor das NTGent in Gent.
Die Lessing-Tage Hamburg, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen, sind seit jeher eine Plattform für kühne theatrale Experimente. Die diesjährige Ausgabe, kuratiert von Matthias Lilienthal, präsentiert Raus "Prozess gegen Deutschland" im Thalia Theater. Über drei Tage hinweg werden Juristen in dem fiktiven Verfahren Argumente für und gegen ein hypothetisches AfD-Verbot prüfen.
Das Publikum kann den Prozess online mitverfolgen, da das Theater die Veranstaltung live streamt. Raus Ansatz – die Besetzung mit echten Juristen statt Schauspielern – entspricht seinem Markenzeichen, Kunst mit drängenden politischen Fragen zu verbinden.
"Prozess gegen Deutschland" ist Raus erster theatraler Prozess in Deutschland. Im Rahmen der Lessing-Tage Hamburg bietet er ein öffentliches Forum, um eine gesellschaftlich umstrittene Frage zu erörtern. Die Live-Übertragung ermöglicht eine breite Teilhabe an der Debatte, die von Anfang bis Ende von Rechtsexperten begleitet wird.
Jury spaltet sich bei AfD-Verfassungsverstoß im Prozess gegen Deutschland
Der dreitägige Prozess gegen Deutschland endete am 15. Februar 2026 mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Wichtige Erkenntnisse waren:
- 5-2 Stimmen für die Bestätigung von AfD-Verfassungsverstößen gegen die Menschenwürde.
- 5-2 Aufruf an Verfassungsorgane, eine mögliche Verbotsprüfung einzuleiten.
- 3-2 Ablehnung eines sofortigen AfD-Verbots, bei 2 Enthaltungen.
- 5-2 Forderung nach Ausschluss von AfD aus der staatlichen Finanzierung.