HKM in Duisburg gerettet: Salzgitter AG übernimmt Stahlwerk und sichert tausende Jobs
Ibrahim KargeHKM in Duisburg gerettet: Salzgitter AG übernimmt Stahlwerk und sichert tausende Jobs
Die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg ist nach einer letzten Einigung in trockenen Tüchern. Die Salzgitter AG übernimmt das traditionsreiche Stahlwerk und verhindert so dessen Schließung – tausende Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Vereinbarung beendet Monate der Unsicherheit für die fast 3.000 Beschäftigten des Standorts.
Seit über einem Jahrhundert prägt HKM die Duisburger Skyline, nachts leuchten die Hochöfen gelb, wenn flüssiges Roheisen aus den Öfen fließt. Doch mit veralteter Technik und dem Druck, die Emissionen zu senken, stand das Werk vor einer harten Entscheidung: modernisieren oder schließen. Nun soll ein mit 200 Millionen Euro staatlich gefördertes Projekt die alten Öfen durch ein klimafreundlicheres Lichtbogenofen-System ersetzen – ein historischer Wandel für das 116 Jahre alte Unternehmen.
Die Übernahme durch die Salzgitter AG kommt für die Belegschaft wie eine Befreiung. Marco Gasse, Vorsitzender des Betriebsrats bei HKM, hatte wiederholt gewarnt, eine Schließung würde die Region wirtschaftlich ruinieren. Dank der Einigung bleibt das Werk zwar in Betrieb, doch langfristig wird die Belegschaft schrumpfen. Während etwa 1.000 Stellen erhalten bleiben sollen, werden in den kommenden Jahren fast 2.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen.
Kern der Umstellung ist der Ersatz der beiden veralteten Hochöfen. Die einstigen Leistungsgaranten des Werks, die mit Koks befeuert wurden, weichen nun einem Lichtbogenofen, der mit Strom betrieben wird und Schrottstahl einschmilzt. Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren sinken die CO₂-Emissionen damit drastisch. Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bezeichnete den Deal als "guten Tag" für den Standort – ein Zeichen für den Spagat zwischen industrieller Zukunft und Klimazielen.
Der vorherige Eigentümer Thyssenkrupp hatte auf einen schnellen Verkauf gedrängt und sogar finanzielle Unterstützung für die grüne Transformation zugesagt. Diese Eile spiegelt einen branchenweiten Trend wider: Auch andere deutsche Stahlstandorte wie die Werke von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Dünkirchen stellen auf Lichtbogenöfen um. HKM selbst hatte bereits Modernisierungsschritte eingeleitet, darunter 2024 ein neues Produktionsleitsystem und die Aufrüstung der Warmbandstraße 2, die seit 1964 über 250 Millionen Tonnen Stahl produziert hat.
Doch Herausforderungen bleiben. Aktuell stellt HKM mehr als vier Millionen Tonnen Stahl pro Jahr her, doch wie hoch die Kapazität künftig sein wird, ist unklar. Zwar ist der Lichtbogenofen sauberer, doch ob er die bisherige Produktionsmenge erreichen kann, steht in den Sternen. Das Werk hat zwar in diesem Jahr Umweltproduktdeklarationen (EPD) eingeführt – ein Schritt, der dem Branchenstandard entspricht –, doch im Gegensatz zu einigen Konkurrenten fehlt bisher ein konkreter Fahrplan für komplett klimaneutralen Stahl bis 2030.
Die Einigung sichert das Überleben von HKM, doch Werk und Belegschaft werden kleiner. Der 200-Millionen-Euro-Lichtbogenofen ersetzt die alten Hochöfen, reduziert die Emissionen und hält die Stahlproduktion in Duisburg am Laufen. Noch immer wird das markante Glimmen der Öfen den Nachthimmel prägen – doch die Zukunft des Standorts wird eine ganz andere sein.