Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als ein Printmedium
Tassilo HeßDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als ein Printmedium
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet seit Jahren einen drastischen Rückgang der Auflage. Die monatlichen Verkaufszahlen sanken von 40.000 auf unter 12.000 Exemplare. Der Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider, sondern auch eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen – viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund.
Das Magazin erscheint sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form. Die Online-Ausgabe funktioniert wie eine Loskarte: Die Verkäufer:innen erhalten die Hälfte des Verkaufspreises. Dieser doppelte Ansatz hat dazu beigetragen, die Einnahmen zu stabilisieren, auch wenn der Verkauf nach wie vor die Hauptfinanzierungsquelle bleibt. Weitere Unterstützung kommt durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie zustande.
Für viele Obdachlose bietet der Verkauf des "fiftyfifty" eine seltene Möglichkeit, Geld mit Würde zu verdienen. Das Projekt finanziert zudem Straßenhilfeinitiativen und tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde. Über die finanzielle Hilfe hinaus dient das Magazin als Plattform für Advocacy-Arbeit: Es macht auf Ungerechtigkeiten aufmerksam und kämpft gegen die Diskriminierung obdachloser Menschen.
Der Preis für "fiftyfifty" wurde kürzlich auf 3,40 Euro angehoben, um die gestiegenen Kosten zu decken. Dennoch sorgt die Präsenz der Publikation dafür, dass das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Diskussion bleibt – und schafft direkte Verbindungen zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und der Gesellschaft. In den vergangenen fünf Jahren haben rund zwölf andere deutsche Straßenmagazine – darunter "Berliner Luft" (2022), "Münchner Donnerstag" (2023) und "Frankfurter Strassenblatt" (2024) – ähnliche Print-Digital-Modelle übernommen, um ihre eigenen Verkaufszahlen zu stabilisieren.
Für die Verkäufer:innen bedeutet das Magazin weit mehr als nur Einkommen: Es gibt ihrem Alltag Struktur, vermittelt Zugehörigkeit und bietet Schutz. Ohne "fiftyfifty" wären nicht nur eine wichtige Stimme der Obdachlosen, sondern auch die von ihm unterstützten Projekte in Gefahr.
Der Rückgang der Auflage von "fiftyfifty" steht exemplarisch für die allgemeinen Krisen der Printbranche und die wachsende Ablehnung gegenüber den Verkäufer:innen. Doch das Überleben des Magazins bleibt entscheidend – nicht nur für diejenigen, die auf die Einnahmen angewiesen sind, sondern auch für die sozialen Projekte, die es trägt. Seine fortgesetzte Existenz stellt sicher, dass Obdachlosigkeit im öffentlichen Diskurs präsent bleibt.