12 March 2026, 16:01

Chinas Aufstieg verändert die Weltordnung – doch die USA bleiben unangefochtene Supermacht

Eine detaillierte Karte von China und dem Umfang des chinesischen Reichs, die Länder, Regionen, wichtige Städte und Ortschaften zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Informationen bietet.

Chinas Aufstieg verändert die Weltordnung – doch die USA bleiben unangefochtene Supermacht

Chinas rasantes Wirtschaftswachstum hat den globalen Handel und die Machtstrukturen grundlegend verändert. In den vergangenen fünf Jahren haben seine Politikmaßnahmen Lieferketten durcheinandergebracht, Handelskonflikte ausgelöst und die Vorherrschaft westlicher Volkswirtschaften infrage gestellt. Doch trotz seines Einflusses sind sich Expert:innen einig: China wird die USA nicht als nächste globale Hegemonialmacht ablösen.

Auf einer kürzlichen Konferenz des Netzwerks Attac diskutierten Ökonom:innen über Chinas Rolle im kapitalistischen Weltsystem und hoben dabei dessen Widersprüche hervor – industrielle Stärke bei gleichzeitiger demografischer Schrumpfung sowie wirtschaftliche Expansion trotz ökologischer Überlastung.

Zwischen 2021 und 2026 führte China weitreichende Reformen ein, die weltweite Märkte erschütterten. Die 2021 erlassene "Drei-Rote-Linien"-Politik begrenzte die Verschuldung im Immobiliensektor, während angebotsseitige Reformen die Stahl- und Zementproduktion um 10–15 % drosselten. Der 14. Fünfjahresplan trieb grüne Technologien und die Entschuldung des Finanzsektors voran. Diese Maßnahmen reduzierten die Stahl- und Aluminiumexporte in die EU und die USA um 20 %, stabilisierten zwar die Rohstoffpreise, lösten aber Zölle und Bestrebungen zur Rückverlagerung von Produktionsstätten aus.

Chinas Wirtschaftsmodell unterscheidet sich grundlegend von dem der USA: Überschüsse werden über Investitionen statt über Konsum oder Staatsausgaben absorbiert. Die Abhängigkeit von billigen Arbeitskräften und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen hat zwar das Wachstum befeuert, gleichzeitig aber globale Ungleichheiten verschärft. Der Ökonom Minqi Li warnt, China stehe nun an einem Scheideweg: Es müsse seine industrielle Vorherrschaft wahren, während gleichzeitig eine alternde Bevölkerung und ökologische Grenzen die Handlungsmöglichkeiten einengen.

Der Aufstieg des Landes hat die US-amerikanische Vorherrschaft zwar geschwächt, doch nicht in einem Maße, das einen Machtwechsel ermöglichen würde. Stattdessen hat Chinas Aufstieg die "halbperiphere" Zone erweitert – einen Raum, der mit den Kernökonomien um Ressourcen konkurriert. Diese Verschiebung destabilisiert das kapitalistische Weltsystem, das möglicherweise Schwierigkeiten haben wird, seine Widersprüche zu bewältigen, sollte keine neue Hegemonialmacht entstehen.

Unterdessen rückt die Erde immer näher an den ökologischen Kollaps heran, mit globalen Temperaturen, die bereits 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau liegen. Chinas Industriepolitik trieb zwar das Wirtschaftswachstum voran, verschärft aber auch diese Krise – und verkompliziert damit seine globale Position weiter.

Die wirtschaftlichen Reformen Chinas haben die globalen Handelsströme umgelenkt und den Wettbewerb um Ressourcen verschärft. Da das Land die US-Hegemonie nicht ersetzen kann, bleibt das kapitalistische Weltsystem in einem labilen Zustand. Ohne eine neue dominierende Macht ist seine Stabilität unsicher, während der ökologische Druck weiter zunimmt. Die Attac-Konferenz unterstrich diese Spannungen und skizzierte Chinas Zukunft als Balanceakt zwischen industrieller Macht und den drohenden demografischen und ökologischen Herausforderungen.

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