Zentralisierung des Pressevertriebs spaltet Verleger und Großhändler in Deutschland
Klemens GorlitzZentralisierung des Pressevertriebs spaltet Verleger und Großhändler in Deutschland
Deutsche Verleger treiben ihre Pläne voran, den Pressevertrieb unter einem einzigen Großhändler zu zentralisieren. Der Schritt hat rechtliche Gegenwehr mehrerer regionaler Großhändler ausgelöst. Diese argumentieren, dass die Reform ihre Unternehmen bedroht und die Medienvielfalt im Land gefährdet.
Das FFF-Bündnis, ein Zusammenschluss von Verlagen, will die derzeit 13 regionalen Großhändler bis Ende 2026 durch einen zentralen Betreiber ersetzen – die Presse-Grosso-Allianz (PGA). Im neuen System sollen nur noch vier Unternehmen als vollwertige Partner agieren, während andere auf reine Logistikaufgaben beschränkt würden. Die Verleger behaupten, dies werde die Kosten senken, die Handelsmargen stabilisieren und die Medienvielfalt schützen.
Einige Großhändler wehren sich jedoch. Die Unternehmen Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord haben rechtliche Schritte gegen die Kündigung ihrer Verträge durch die Verleger eingeleitet. Das Landgericht Dortmund wies kürzlich Eilanträge der beiden Großhändler PDG und Lütkemeyer ab, die geltend machen, das neue Modell berge die Gefahr einer diskriminierenden Verteilung und schade dem Medienpluralismus.
Die Aufsichtsbehörden haben sich bisher aus dem Streit herausgehalten. Das Bundeskartellamt kündigte an, nicht einzugreifen, nachdem die Verleger ihre Pläne angepasst hatten. Unterdessen verurteilte der Bundesverband Presse-Grosso die Vertragskündigungen als gezielten Versuch, eine unabhängige Branche zu zerschlagen. Die Vereinigung strebt an, die Umstrukturierung bis Sommer 2023 gerichtlich zu stoppen.
Die juristischen Auseinandersetzungen dauern an, während die Großhändler versuchen, die Neuordnung durch das FFF-Bündnis zu verhindern. Das Ergebnis wird entscheiden, ob sich der Pressevertrieb in Deutschland hin zu einem zentralisierten Modell wandelt. Vorerst drängen die Verleger auf eine Umsetzung, während die Gegner alle rechtlichen Mittel ausschöpfen.
