Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – und prangert Marktverzerrungen an
Luitgard RitterVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisbremse - Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – und prangert Marktverzerrungen an
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Vonovia, Deutschlands größter Wohnungsanbieter, hat weitreichende Änderungen an den Mietpreisregulierungen des Landes gefordert. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Rolf Buch kritisierte das aktuelle System als mitverantwortlich für die Verschärfung des Wohnungsmangels und die Verzerrung des Marktes. Seine Äußerungen fallen mit einer deutlichen finanziellen Erholung des Unternehmens zusammen: Im ersten Dreivierteljahr 2022 stieg der Gewinn auf 3,4 Milliarden Euro – ein markanter Umschwung nach den Verlusten der Vorjahre.
Die Mietpreisbremse, 2015 eingeführt, um den Anstieg der Mieten in begehrten Städten wie Berlin, München und Hamburg zu dämpfen, hat zwar die Mieterhöhungen teilweise gebremst, doch Kritiker verweisen auf unerwünschte Nebenwirkungen. Immer mehr Vermieter ziehen Immobilien vom Markt zurück, lassen Wohnungen leerstehen oder wechseln zu kurzfristigen Möbelmieten – ein Segment, das bis 2024 bundesweit um 80 Prozent gewachsen ist. In betroffenen Gebieten gingen neue Mietangebote um bis zu 15 Prozent zurück.
Buch, der Ende des Jahres als CEO zurücktritt, bezeichnete die Regelung als "massiven Eingriff", der die Marktverzerrungen vertiefe. Die aktuellen Vorschriften begrenzten Mieten pauschal – auch für einkommensstarke Haushalte –, statt gezielt sozial Schwächere zu entlasten. Stattdessen plädierte er für Reformen, die bedürftige Mieter schützen, gleichzeitig aber flexiblere Preise für andere ermöglichen.
Unter Buchs Führung expandierte Vonovia aggressiv und übernahm Konkurrenten wie Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen, um die Branche zu dominieren. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen eine kräftige Erholung: Der Nettogewinn kletterte bis September 2022 auf 3,4 Milliarden Euro – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Verlust von 592 Millionen Euro im Vorjahr. Treiber des Wachstums waren höhere Mieteinnahmen, Zusatzdienstleistungen und Immobilienverkäufe.
2023 übernimmt Luka Mucic, ehemaliger SAP-Manager und aktueller Vodafone-Finanzvorstand, die Führung von Vonovia. Die Mietpreisbremse bleibt vorerst bis zu ihrem geplanten Auslaufen Ende 2029 in Kraft.
Vonovias Forderung nach Reformen unterstreicht die Spannung zwischen Mietregulierung und Wohnraumversorgung. Das Unternehmen argumentiert, dass angepasste Regeln Investitionen in Neubauten freisetzen und den Marktdruck verringern könnten. Mit Buchs Abschied zeichnet sich ab, dass die Debatte über die deutsche Mietenpolitik unter neuer Führung weitergehen wird.






