Proteste am Kurfürstendamm: RAW-Gelände zwischen Kulturerbe und Zwangsräumung
Luitgard RitterProteste am Kurfürstendamm: RAW-Gelände zwischen Kulturerbe und Zwangsräumung
Dutzende Menschen versammelten sich heute am Kurfürstendamm, um gegen die drohende Räumung der Kulturstätten auf dem RAW-Gelände zu protestieren. Die unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“ abgehaltene Kundgebung bot Live-Musik und leidenschaftliche Reden zur Verteidigung der langjährigen Veranstaltungsorte.
Das RAW-Gelände in Berlin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge genutzt, wurde es nach dem Fall der Berliner Mauer aufgegeben. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen, einen Weihnachtsmarkt und einen Flohmarkt.
Der Streit dreht sich um die Pläne der Kurth-Gruppe, auf dem Gelände Wohnraum zu schaffen. Im Januar beantragte das Unternehmen eine beschleunigte Baugenehmigung. Uneinig ist man sich über die Anzahl der zu errichtenden Wohnungen und den Erhalt der historischen Hallen, in denen derzeit Clubs und Kulturstätten untergebracht sind.
Mitte Mai lehnte die Kurth-Gruppe einen vom Senat und dem Bezirk vorgeschlagenen Rahmenvertrag ab. Seither erhielten einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, Aufforderungen, Teile der Räumlichkeiten zu räumen. Dem Club droht nun bereits ab nächster Woche die Zwangsräumung.
Der Protest unterstreicht die Spannung zwischen städtischer Entwicklung und Kulturerhalt auf dem RAW-Gelände. Sollte keine Einigung erzielt werden, müssen der Club Cassiopeia und andere Mieter den Standort bald verlassen. Die Entscheidung wird die Zukunft eines Ortes prägen, der seit Langem ein Zentrum der Berliner Alternativszene ist.
