Jessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Klemens GorlitzJessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Jessica Krebbing wird die erste Frau sein, die den elterlichen Milchviehbetrieb in Hamminkeln, Nordrhein-Westfalen, leitet. Gemeinsam mit ihrem Mann wird sie den Hof führen und sich um 200 Milchkühe, 100 Kälber sowie Jungrinder kümmern. Ihre neue Position steht für einen Wandel in einer Branche, in der weibliche Führungskräfte nach wie vor eine Seltenheit sind.
Zu Krebbings täglichen Aufgaben gehören das Füttern, Melken und Besamen der Kühe sowie das Einstreuen der Ställe und das Abdecken der Silos. Wie viele Frauen in der Landwirtschaft hat sie mit langen Arbeitszeiten und körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten zu kämpfen. Moderne Hilfsmittel wie automatische Melkroboter haben jedoch einen Teil der Arbeit erleichtert und den Beruf alltagstauglicher gemacht.
Ihre Mutter, Christa Krebbing, arbeitete ebenfalls auf dem Hof, wurde von Vertriebsmitarbeitern jedoch oft übersehen. Trotz ihres Engagements wurde sie nur selten als gleichberechtigte Partnerin im Betrieb wahrgenommen. Diese mangelnde Sichtbarkeit ist ein weitverbreitetes Problem für Frauen in der Landwirtschaft, deren Arbeit häufig unterbewertet oder sogar unbezahlt bleibt.
Laut der Agrarstruktur-Erhebung 2023 werden in Deutschland derzeit nur 11 Prozent der Betriebe – etwa 22.000 von 200.000 – von Frauen geführt. Zwar ist dieser Anteil in den letzten zehn Jahren langsam gestiegen, doch liegt Deutschland damit noch immer unter dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent. In Nordrhein-Westfalen ist der Frauenanteil unter Hofleitungen mit nur jeder neunten Betreiberin noch geringer, obwohl Frauen über ein Drittel der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte stellen.
Fortschritte gab es bei der fairen Bezahlung von Angestellten, was ihre Altersvorsorge verbessert hat. Zudem fördert das Land Frauen in der Landwirtschaft durch Netzwerke, Seminare und Führungsprogramme. Dennoch kämpfen viele weiterhin für mehr Anerkennung und gleiche Chancen in der Branche.
Krebbings Übernahme des Familienbetriebs verdeutlicht sowohl die Herausforderungen als auch die Fortschritte für Frauen in der Landwirtschaft. Dank besserer Bezahlung, technischer Innovationen und staatlicher Initiativen übernehmen immer mehr Frauen Führungsrollen. Dennoch bleibt der Anstieg weiblich geführter Betriebe langsam, aber stetig.