Gastarbeiter in Deutschland: Wie gebrochene Träume die Seele belasten
Ibrahim KargeGastarbeiter in Deutschland: Wie gebrochene Träume die Seele belasten
Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Viele von ihnen, wie die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, kamen aus der Türkei mit dem Plan, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Doch sich ändernde politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Verschiebungen hielten sie jahrzehntelang in Deutschland fest – oft mit schweren persönlichen Folgen.
Fatih Çevikkollus Vater, ein gelernter Schlosser aus Adana, und seine Mutter, eine Grundschullehrerin in der Türkei, waren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Ursprünglich ging das Programm davon aus, dass sie irgendwann zurückkehren würden. Doch in den 1970er-Jahren schaffte Deutschland das Rückkehraxiom ab – bedingt durch anhaltenden Arbeitskräftebedarf und die eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Türkei.
In Deutschland erlebte Çevikkollus Mutter einen drastischen Bruch in ihrem Leben. Da sie nicht als Lehrerin arbeiten durfte, nahm sie eine Stelle als Näherin an. Die Haltung ihres Mannes zu Sprachkursen und ihrer Selbstständigkeit schränkte ihre Möglichkeiten weiter ein. Mit der Zeit wurde sie immer isolierter und zeigte Anzeichen von Psychosen. 2017 starb sie schließlich einsam in der Türkei, fern von ihrer Familie.
Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen ältere Migrantinnen und Migranten konfrontiert sind. Einsamkeit und soziale Isolation sind weit verbreitet und führen oft zu psychischen Belastungen. Kulturelle Unterschiede im Verständnis von Krankheit erschweren zudem den Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung. Viele Betroffene beschreiben körperliche Symptome, statt ihre Erkrankung direkt zu benennen. Fachleute fordern daher kultursensible Ansätze, darunter mehrsprachige Angebote, Dolmetscherdienste und Therapien, die auf unterschiedliche Hintergründe zugeschnitten sind.
Die Erfahrungen der frühen Gastarbeitergeneration zeigen, wie nachhaltig sich Migration auf die psychische Gesundheit auswirken kann. Ohne gezielte Unterstützung können Isolation und unerfüllte Bedürfnisse über Jahrzehnte bestehen bleiben. Gesundheitsdienste arbeiten nun daran, diese Lücken mit inklusiveren Versorgungsangeboten für Migrantengemeinschaften zu schließen.






