Dresdens verbotene Kunst: Wie Underground-Künstler die DDR herausforderten
Luitgard RitterDresdens verbotene Kunst: Wie Underground-Künstler die DDR herausforderten
Dresden galt jahrzehntelang als das künstlerische Zentrum der DDR. Ab den 1950er-Jahren richtete die Stadt alle fünf Jahre die zentralen Kunstausstellungen der DDR im Albertinum auf der Brühlschen Terrasse aus. Doch hinter der offiziellen Fassade entwickelte sich eine lebendige Underground-Szene, getragen von Künstlern, die nach künstlerischer Freiheit außerhalb der staatlichen Kontrolle strebten.
Die staatliche Hochschule für Bildende Künste Dresden blieb bis in die späten 1970er-Jahre eine Hochburg des Sozialistischen Realismus. Viele spätere Underground-Künstler, darunter Eberhard Göschel, Hans Scheib und Helge Leiberg, erhielten dort ihre Ausbildung. Göschel, der bis 1969 studierte, gründete später in Dresden den Obergrabenpresse-Verlag, während Leiberg und andere unabhängige Ausstellungen organisierten.
Ab den späten 1970er-Jahren begannen private Galerien und von Künstlern betriebene Räume die offizielle Kunstwelt herauszufordern. Hans Scheib eröffnete zwei zentrale Orte: die Raumerstraße 23 in Berlin-Prenzlauer Berg (1977) und die Sredzkistraße 64 (1980). In Dresden wurde das Leonhardi-Museum zu einem Brennpunkt alternativer Kunst, bis es 1982 vorübergehend geschlossen wurde. Künstler wie Cornelia Schleime, Ralf Kerbach und Herbert Kunze – viele von ihnen hatten dort zuvor ausgestellt – verlagerten ihre Aktivitäten in den Untergrund, in Kirchenausstellungen (Kunst in der Kirche) und Kollektive wie die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK).
Diese Künstler, zunächst inspiriert von der expressionistischen Brücke-Bewegung, gerieten immer wieder in Konflikt mit den Behörden. Ihr unkonventioneller Lebensstil und ihre provokativen Ausstellungen brachten sie in Opposition zu staatlichen Institutionen. Trotz Repressionen setzten sie ihre Arbeit bis zum Mauerfall 1989 fort.
Die Underground-Kunstszene der DDR lebte von Widerstand und Einfallsreichtum. Durch private Galerien, Kirchenausstellungen und selbstorganisierte Gruppen schufen sich die Künstler Freiräume für unzensierte Expression. Ihr Wirken hinterließ bleibende Spuren in der ostdeutschen Kultur – trotz anhaltender Gegenwehr des Staates.






