Bonner Protest gegen sexualisierte Gewalt: 500 fordern mehr Schutz für Frauen
Klemens GorlitzBonner Protest gegen sexualisierte Gewalt: 500 fordern mehr Schutz für Frauen
Hunderte Demonstranten versammelten sich am Sonntag im Bonner Stadtzentrum, um strengere Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt zu fordern. Die Kundgebung folgte einem Der-Spiegel-Bericht über Vorwürfe digitaler Misshandlung gegen die Schauspielerin Collien Fernandes durch ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen. Die Organisatoren riefen Männer dazu auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen frauenfeindliches Verhalten zu übernehmen.
Die Protestaktion zog über 500 Menschen auf den Marktplatz vor dem alten Rathaus. Demonstranten hielten Schilder mit Botschaften wie "Girls just wanna be safe" und "Wir sind wütend" in die Höhe. Die Veranstaltung wurde von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt.
Redner auf der Kundgebung forderten Männer auf, entschlossener gegen schädliche Einstellungen vorzugehen. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für strengere gesetzliche Schutzmaßnahmen einzusetzen. Auch CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei unterstützten die Forderungen nach besseren Schutzmechanismen für Frauen.
Die Demonstration fand einen Tag nach einem Marsch in Köln statt, an dem mehr als 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt protestiert hatten. Die öffentliche Debatte über digitale Gewalt hat seit dem Der-Spiegel-Bericht von 2024 über den Fall Fernandes an Fahrt aufgenommen. Als Reaktion führte die neue schwarz-rote Regierung Reformen ein, darunter einen Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), der die Verbreitung nicht einvernehmlicher Nacktbilder, Deepfakes und Spionagesoftware unter Strafe stellen soll. Merz hatte die zunehmende Gewalt – sowohl online als auch offline – zuvor als ernsthaftes Problem bezeichnet und sie teilweise mit Migration in Verbindung gebracht.
Der Bonner Protest verstärkte den Druck auf strengere rechtliche und gesellschaftliche Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Aktuell werden neue Vorschläge diskutiert, darunter elektronische Fußfesseln und schärfere Strafen. Der Regierungsentwurf sieht zudem vor, dass Anbieter in Missbrauchsfällen IP-Adressen offenlegen müssen.






