Ausbildungsplätze im Mittleren Niederrhein brechen um 6,5 Prozent ein – G9-Reform als Hauptgrund
Klemens GorlitzAusbildungsplätze im Mittleren Niederrhein brechen um 6,5 Prozent ein – G9-Reform als Hauptgrund
Lehrlingsverträge im Mittleren Niederrhein um 6,48 Prozent eingebrochen
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in der Region Mittlerer Niederrhein um 6,48 Prozent gesunken. Bis Ende Oktober verzeichnete die IHK Mittlerer Niederrhein 3.538 abgeschlossene Verträge – ein spürbarer Rückgang. Lokale Vertreter warnen, dass sich der Negativtrend aufgrund von Reformen im Bildungssystem und veränderten Bewerberpräferenzen weiter verschärfen könnte.
Unterschiedliche Entwicklungen in Krefeld und Viersen
Während Krefeld mit 964 neuen Ausbildungsverträgen nur einen leichten Rückgang von 0,52 Prozent verzeichnete, war der Einbruch im Kreis Viersen mit 11,94 Prozent deutlich stärker. Dort wurden lediglich 612 neue Verträge registriert.
Beliebteste Ausbildungsberufe
Besonders gefragt waren Ausbildungsplätze als Kaufmann/-frau für Büromanagement, Chemikant/in sowie Verkäufer/in im Einzelhandel. Auch Berufsausbildungen im Groß- und Außenhandelsmanagement zählten zu den Favoriten junger Menschen.
G9-Reform als Hauptgrund für den Rückgang
Experten führen einen Teil des Rückgangs auf die Rückkehr Nordrhein-Westfalens zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurück. Dadurch wird es 2026 keinen Abiturjahrgang geben, der in den Arbeitsmarkt eintritt – die Zahl potenzieller Auszubildender sinkt damit spürbar. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, warnt, dass Unternehmen, die auf Abiturienten als Auszubildende setzen, in den kommenden Jahren mit einem erheblichen Fachkräftemangel konfrontiert sein werden.
Trotz Rückgangs bleibt Fachkräftenachfrage hoch
Trotz des Rückgangs bleibt die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften ungebrochen. Betriebe setzen weiterhin auf die eigene Ausbildung, um Fachpersonal zu gewinnen. Hasan Klauser, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld, betont, dass der Ausbildungsmarkt nach wie vor ein Bewerbermarkt sei: "Es gibt mehr Ausbildungsplätze als junge Menschen, die sie besetzen."
Appell an Jugendliche: Ausbildung als Karrierechance
Die IHK Mittlerer Niederrhein, die Kreishandwerkerschaft und die Bundesagentur für Arbeit werben daher intensiv für eine Berufsausbildung. Sie verweisen auf die langfristigen Vorteile einer dualen Ausbildung, die stabile Karriereperspektiven biete.
Strukturelle Herausforderungen für die Zukunft
Der Rückgang bei den Ausbildungsverträgen spiegelt tiefgreifende bildungspolitische und demografische Veränderungen wider. Da weniger Schulabgänger mit Hochschulreife in den Arbeitsmarkt drängen, könnten Unternehmen künftig Schwierigkeiten haben, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Verantwortlichen setzen weiterhin auf Aufklärung, um die duale Ausbildung als attraktive Alternative zum Studium zu etablieren.






