Anna Netrebkos polarisierende Rückkehr an die Berliner Staatsoper
Klemens GorlitzAnna Netrebkos polarisierende Rückkehr an die Berliner Staatsoper
An der Berliner Staatsoper feierte vergangenes Wochenende eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung markierte ihre Rückkehr auf eine große europäische Bühne nach Jahren der Kontroversen. Vor dem Opernhaus versammelten sich derweil Demonstranten, um gegen ihren Auftritt zu protestieren.
Die fast dreistündige Produktion von Verdis Oper erhielt starken Applaus für Ensemble und Orchester alike. Netrebko, die die Rolle der Amelia verkörperte, wurde vom Publikum mit begeistertem Jubel bedacht. Regisseur Rafael R. Villalobos integrierte in bestimmte Szenen Elemente der queeren Ballroom-Kultur sowie Anspielungen auf die AIDS-Krise.
Vor der Vorstellung schwenkten etwa 50 Protestierende ukrainische Flaggen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Kundgebung spiegelte die anhaltende Kritik an Netrebkos früheren Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin wider, darunter eine Geburtstagsfeier im Kreml 2021. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sieht sie sich internationaler Ablehnung, Vertragskündigungen – etwa durch die Metropolitan Opera – und einer Art "Bühnenverbannung" in vielen westlichen Ländern ausgesetzt.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, betonte, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit Kriegsbeginn nicht dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war zwar bereits zuvor in Berlin aufgetreten, blieb aber von den großen europäischen Bühnen fern – bis zu dieser Produktion.
Netrebkos Rückkehr nach Berlin hat die Debatte um ihre politische Haltung neu entfacht. Während Teile des Publikums ihre Darstellung feierten, machten die Protestierenden vor dem Haus deutlich, dass ihre früheren Verbindungen nach wie vor umstritten sind. Die Entscheidung des Opernhauses, sie zu engagieren, folgt auf Jahre polarisierter Reaktionen: In Russland gilt sie als Patriotin, im Westen als ambivalente Figur.






