26 March 2026, 22:02

Wie eine Medienrecherche den rechtsextremen Kanal Clownswelt ungewollt stärkte

Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das 'Es ist an der Zeit, Social-Media-Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen' lautet, eingerahmt von einem dünnen schwarzen Rand.

Wie eine Medienrecherche den rechtsextremen Kanal Clownswelt ungewollt stärkte

Eine aktuelle Untersuchung des ZDF Magazin Royale und Zeit Online über den rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt hat für Aufsehen gesorgt. Statt den Kanal zu schwächen, scheint der Bericht dessen Popularität jedoch noch gesteigert zu haben. Kritiker hinterfragen nun die Methoden der Journalisten und die unbeabsichtigten Folgen ihrer Arbeit.

Der Betreiber von Clownswelt wirft den Medien vor, seine Privatsphäre verletzt zu haben, während Rechtsexperten anmerken, dass die Recherche möglicherweise rechtliche Grenzen überschritten habe. Gleichzeitig ist die Zahl der Abonnenten des Kanals stark angestiegen – ein Umstand, der Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Medienberichterstattung über extremistische Inhalte weckt.

Der Streit begann, als Moderator Jan Böhmermann vom ZDF Magazin Royale und der Zeit-Online-Journalist Christian Fuchs eine Untersuchung zu Clownswelt veröffentlichten. Ziel des Berichts war es, mutmaßliche rechtsextreme Verbindungen des Kanals aufzudecken. Doch statt den Ruf von Clownswelt zu beschädigen, führte die Sendung zu einem deutlichen Anstieg der Abonnentenzahlen: Bis zum 13. Mai 2025 gewann der Kanal über 160.000 neue Follower und erreichte damit eine Gesamtzahl von mehr als 384.000.

Der Betreiber von Clownswelt warf Böhmermann und Fuchs vor, sein Privatleben "zerstören" zu wollen. Er behauptete, die Recherche habe persönliche Details preisgegeben, obwohl Fuchs später erklärte, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien. Der genaue Aufenthaltsort und der vollständige Name des Betreibers seien demnach nicht genannt worden.

Die Kritik an der Untersuchung beschränkte sich jedoch nicht auf den Kanalbetreiber. Konservative Medien und Nutzer in sozialen Netzwerken verglichen die Vorgehensweise der Journalisten mit den Methoden der Stasi, der Geheimpolizei der DDR. Einige forderten sogar, als Vergeltung die Privatadressen von Böhmermann und Fuchs zu veröffentlichen. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) meldete sich zu Wort und argumentierte, der Bericht enthalte keine ausreichenden Belege dafür, dass Clownswelt "rechtsextrem" oder "gefährlich" sei.

Zudem gibt es rechtliche Bedenken: Der Medienanwalt Christian Solmecke wies darauf hin, dass die Journalisten gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben könnten, der das sogenannte Doxxing unter Strafe stellt. Sollte sich dies bestätigen, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

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Trotz der Gegenreaktion profitiert der Betreiber von Clownswelt weiterhin finanziell. Die größere Reichweite des Kanals hat vermutlich auch die Werbeeinnahmen erhöht und damit sein Wachstum weiter beschleunigt.

Die Untersuchung zu Clownswelt hat unerwartete Folgen gehabt: Die Abonnentenzahlen des Kanals sind deutlich gestiegen, und sein Betreiber bleibt wirtschaftlich erfolgreich. Gleichzeitig werden die Methoden der Journalisten nun rechtlich und ethisch diskutiert – mit Vorwürfen wie Verletzung der Privatsphäre und fragwürdigen Vorgehensweisen.

Der Fall zeigt die Risiken von Medienberichterstattung über umstrittene Persönlichkeiten. Statt den Einfluss des Kanals zu verringern, könnte der Bericht ihn sogar verstärkt haben – und wirft damit grundsätzliche Fragen zur Verantwortung des investigativen Journalismus auf.

Quelle