29 March 2026, 12:02

Warum Pressestellen und Journalisten nicht mehr miteinander sprechen

Ein Mann im Anzug spricht in ein Mikrofon an einem Rednerpult, wahrscheinlich zur Genehmigung eines Internetsperrgesetzes durch die Regierung.

Warum Pressestellen und Journalisten nicht mehr miteinander sprechen

Die Kommunikation zwischen Journalisten und Pressestellen in Deutschland hat sich seit den 1990er-Jahren dramatisch verändert. Was einst ein System direkter Gespräche und schneller Austausche war, ist heute ein Labyrinth aus digitalen Plattformen und formellen E-Mails geworden. Viele Reporter kämpfen mittlerweile selbst um einfache Antworten, während Presseteams Telefonate oft komplett meiden.

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Der Wandel begann, als Unternehmen und Behörden sich von persönlichen Kontakten zurückzogen. Digitale Kanäle, Stellenabbau in traditionellen Medien und die Zunahme direkter Online-Stellungnahmen verdrängten spontane Diskussionen. Thomas Holzamer, Chefredakteur von Finance Online, stellte fest, dass Pressestellen Telefongespräche kaum noch annehmen und stattdessen auf schriftliche Kommunikation bestehen.

Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, argumentiert, dass Journalisten für eine effiziente Arbeit direkten Zugang zu den Mobilfunknummern von Pressesprechern benötigen. Sachar Klein, Chief Attention Officer beim Unternehmen hypr, pflichtet dem bei und weist darauf hin, dass Reporter PR-Fachleute oft mit einem schnellen "Schicken Sie das einfach alles per E-Mail" abwimmeln.

Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, beobachtet, dass Pressesprecher Fragen mittlerweile routinemäßig abblocken, indem sie um schriftliche Anfragen bitten. Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, erklärt, dass sich ihr Team auf offizielle schriftliche Stellungnahmen verlässt – aus rechtlichen Gründen. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer der ECCO Düsseldorf, führt die Entwicklung auf eine wachsende Risikoaversion in Unternehmen zurück.

Einige Journalisten sehen das Problem als beidseitige Herausforderung. Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, hinterfragt, warum Reporter selbst oft nicht telefonisch erreichbar sind. Der freiberufliche Journalist John Stanley Hunter äußerte auf LinkedIn ähnliche Frustration: "Warum sprechen Pressesprecher eigentlich nicht mehr mit der Presse?" Michael Knauer, Reporter der Automobilwoche, bestätigt den Trend, merkt aber an, dass vertraute Journalisten gelegentlich noch direkten Zugang erhalten.

Der Rückgang offener Kommunikation hat auf beiden Seiten Frust ausgelöst. Pressestellen setzen auf schriftliche Stellungnahmen, um Risiken zu minimieren, während Journalisten mit verzögerten, unpersönlichen Antworten kämpfen. Das Ergebnis ist ein System, in dem schnelle, transparente Austausche selten geworden sind – und beide Seiten sich nun an strengere, distanziertere Regeln halten.

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