17 June 2026, 18:21

RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Büroturm und Räumungsdrohung

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Büroturm und Räumungsdrohung

Das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain brodelte am Samstagabend vor Leben. Eine öffentliche Übertragung des Fußballspiels Brasilien gegen Marokko lockte zahlreiche Besucher in das renommierte soziokulturelle Zentrum. Doch hinter den Kulissen bleibt die Zukunft dieses ikonischen Orts nach fast elf Jahren festgefahrener Verhandlungen ungewiss.

Die Kurth-Gruppe erwarb das RAW-Gelände 2015. Seither ringt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg darum, die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Erhalt der subkulturellen Identität des Areals in Einklang zu bringen.

2022 zeichnete sich ein möglicher Durchbruch ab: Der Bezirk schlug einen 100 Meter hohen Büroturm im Austausch für den Schutz des sogenannten „kulturellen L“ vor. Doch das Abkommen scheiterte. Im Mai 2023 schien eine Einigung greifbar, doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen – die Verhandlungen kamen zum Stillstand.

In diesem Jahr brach die Kurth-Gruppe die Gespräche schließlich ganz ab. Das Unternehmen setzt nun auf den lukrativeren Bau von Wohnungen und erklärte den Planungsprozess für gescheitert. Zudem warf es dem Bezirk vor, frühere Absprachen mit einem Rahmenvertrag verraten zu haben, der allein Berlins Interessen diene.

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Ohne die Zusammenarbeit des Bezirks und einen finalen Plan kann der Investor nicht vorankommen. Der Club Cassiopeia und andere Projekte stehen vor der Räumung – Geschäftsführer Florian Falkenhagen wurde mündlich aufgefordert, die Räumlichkeiten bis Monatsende zu verlassen. Der Club operiert bereits seit letztem Jahr auf Abruf, nachdem der Vermieter die Verlängerung des Mietvertrags verweigerte.

Die Zukunft des RAW-Geländes ist nun unsicherer denn je. Der Rückzug der Kurth-Gruppe und die Untätigkeit des Bezirks setzen die langjährigen Kulturprojekte unter Druck. Mehrere Einrichtungen, darunter Cassiopeia, könnten in den kommenden Wochen schließen.

Quelle