ÖPNV-Beschäftigte bekommen kürzere Arbeitszeiten – bei vollem Lohnausgleich
Ibrahim KargeÖPNV-Beschäftigte bekommen kürzere Arbeitszeiten – bei vollem Lohnausgleich
Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland erhalten in den nächsten zwei Jahren kürzere Arbeitszeiten. Ab Juli 2027 sinkt die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 38,5 Stunden, bis sie im Juli 2028 bei 38 Stunden liegt – und das bei vollem Lohnausgleich. Die Änderungen ergeben sich aus laufenden Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in allen 16 Bundesländern.
Die jüngsten Tarifverhandlungen, bekannt als TV-N 2026, haben eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit gebracht. Gewerkschaften wie ver.di hatten ursprünglich eine stärkere Kürzung von 37,5 auf 35 Stunden gefordert, doch nun wurde eine stufenweise Senkung vereinbart. Neben der verkürzten Wochenarbeitszeit werden Schichtlängen auf maximal 12 Stunden begrenzt und Ruhezeiten auf 11 Stunden ausgeweitet.
Auch kurzfristig Beschäftigte profitieren von besseren Schutzregelungen. Zudem steigen die Sonntagszuschläge, was die Personalkosten für die Verkehrsbetriebe weiter erhöht. Arbeitgeber warnen, dass die Aufrechterhaltung des Betriebs bei weniger Arbeitsstunden zusätzliche Einstellungen erfordern könnte – mit entsprechenden Folgen für die Lohnsumme.
Die Finanzierung bleibt eine zentrale Herausforderung. Drei Optionen stehen zur Diskussion: Zuschüsse der öffentlichen Hand, Unterstützung durch Bund und Länder oder höhere Ticketpreise. Zwar sind kurzfristige Fahrpreiserhöhungen unwahrscheinlich, langfristig könnten Fahrgäste jedoch mit Anpassungen rechnen müssen, um die steigenden Kosten zu decken.
Die Einigung stellt einen Fortschritt für die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr dar – mit besseren Arbeitsbedingungen und einer potenziell höheren Attraktivität des Sektors. Doch die Frage, wie diese Veränderungen finanziert werden sollen, bleibt ungelöst. Die Betreiber müssen nun abwägen zwischen verbesserten Löhnen und Sozialleistungen einerseits und dem Risiko künftiger Preiserhöhungen andererseits.






