Nach 40 Jahren Trennung: Eine Schriftstellerin findet ihre Mutter – doch es ist zu spät
Tassilo HeßNach 40 Jahren Trennung: Eine Schriftstellerin findet ihre Mutter – doch es ist zu spät
Die Suche einer Schriftstellerin nach ihrer Mutter führte nach vier Jahrzehnten der Trennung zu einem Wiedersehen
1945 auf Rügen geboren, wurde die Autorin kurz nach ihrer Geburt in ein Kinderheim nach Wuppertal gebracht. Ihre Spurensuche förderte zudem zutage, dass die Spannungen zwischen ehemaligen Ost- und Westdeutschen auch Jahre nach der Wiedervereinigung fortbestehen.
Die Mutter der Autorin lebte einst auf Rügen, bevor sie ihre neugeborene Tochter in ein Wuppertaler Heim gab. Erst vierzig Jahre später fand die Schriftstellerin sie in Bergen auf Rügen wieder – doch das Wiedersehen kam zu spät: Die Mutter hatte bereits Suizid begangen.
Nach dem Fall der Berliner Mauer bewarb sich die Autorin für eine Lehrtätigkeit im Osten. Ein Schulleiter lehnte sie ab und deutete dabei Misstrauen gegenüber Westdeutschen an. In einem Restaurant der ehemaligen DDR erlebten die Schriftstellerin und ihr italienischer Schwiegersohn offene Feindseligkeit. An der Eingangstür lag eine Fußmatte mit der Aufschrift: „Bewahre uns vor Sturm und Wind und Westdeutschen, die im Osten sind.“
Auch Fußballspiele wurden zu Zündpunkten. Schalke-Fans skandierten während eines Spiels „Wir hassen Ostdeutschland“. Bei einem Aufeinandertreffen zwischen RW Essen und Hansa Rostock kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, angeheizt durch Hooligan-Gruppen. Doch in Hattingen zeigen vielfältige Initiativen wie ein internationales Frauencafé und eine Moschee, dass Integration gelingen kann. Bekannt sind dort allerdings keine Erzähl- oder Diskussionsrunden speziell für ehemalige DDR-Bürger.
Die Geschichte der Autorin legt die Narben der Teilung offen, die noch lange nach der Wiedervereinigung nachwirken. Während einige Gemeinden Brücken bauen, offenbaren Vorfälle in Schulen, Restaurants und Stadien, wie tief verwurzelte Vorurteile weiterbestehen. Die Suche nach Familie und Zugehörigkeit bleibt von der Geschichte belastet.






