Mediengruppe Stein meldet Insolvenz an – Branche steht vor 100-Millionen-Lücke
Luitgard RitterMediengruppe Stein meldet Insolvenz an – Branche steht vor 100-Millionen-Lücke
Deutschlands zweitgrößter Fachmedien-Distributor, die Mediengruppe Stein, meldet Insolvenz an – zusammen mit 18 Tochterunternehmen
Der Zusammenbruch folgt auf Jahre rasanter Expansion und finanzieller Belastungen und zwingt Verlage, Bibliotheken und Bundesministerien nun zur hektischen Suche nach Alternativen. Branchenexperten warnen, dass die Folgen des Debakels den Sektor bis zu 100 Millionen Euro an entgangenen Abonnements kosten könnten.
Ausgelöst wurde die Krise am 17. September, als die A. Stein'sche Buchhandlung, ein zentraler Buchhändler mit 80 Mitarbeitern, Insolvenz anmeldete. Nur wenige Wochen später folgte Anfang Oktober die Mediengruppe Stein selbst – mit 250 Beschäftigten. Zu den betroffenen 18 Tochterfirmen zählen bekannte Namen wie Solon, Delbanco, Massmann und Albert Müller.
Die Probleme des Unternehmens haben ihren Ursprung in einer überstürzten Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre. Stein hatte in einer Serie von Übernahmen kleinere Fachbuchhandlungen, größere Dienstleister und Nischenanbieter für Bibliotheken geschluckt. Doch die Integration dieser heterogenen Geschäfte gestaltete sich als äußerst schwierig, wie Jörg Pieper, Leiter Content-Akquise bei Get More Brain, erklärt. Die Zusammenführung unterschiedlicher Inhalte, Technologien und Teams habe erhebliche Herausforderungen mit sich gebracht. Pieper kritisierte zudem die nahezu ungebremste Expansion des Mutterkonzerns als einen der Hauptgründe für die aktuelle Instabilität.
Die Insolvenzwelle sendet Schockwellen durch den Markt. Bundesministerien und Bibliotheken stehen vor der dringenden Aufgabe, neue Lieferanten zu finden, während Verlage Abonnements im Wert von schätzungsweise 100 Millionen Euro zu verlieren drohen. Unterdessen bietet Börsenblatt Plus weiterhin Branchen-Updates, Plus-Artikel sowie ein Digitalarchiv bis zurück ins Jahr 2019 an. Der Zugang zu B+-Inhalten bleibt für Mitglieder des Börsenvereins und Print-Abonnenten kostenfrei, setzt jedoch eine Registrierung über Börsenblatt Online voraus.
Der Kollaps der Mediengruppe Stein reißt eine große Lücke in das deutsche Medienvertriebsnetz. Mit nun 19 insolventen Unternehmen muss die Branche schnell handeln, um weitere Störungen abzuwenden. Verlage, Bibliotheken und staatliche Stellen arbeiten bereits daran, neue Partnerschaften zu schmieden und finanzielle Verluste zu begrenzen.






