Jede:r Vierte Jugendliche erlebt Cybergrooming – wie Schulen jetzt reagieren
Klemens GorlitzJede:r Vierte Jugendliche erlebt Cybergrooming – wie Schulen jetzt reagieren
Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2025 zeigt, dass fast ein Viertel der Minderjährigen bereits Cybergrooming erlebt hat – also gezielte Ansprache durch Täter über Chats. Expert:innen warnen, dass das Internet Täter:innen neue Zugangsmöglichkeiten bietet, die im Offline-Leben nicht bestünden.
Als Reaktion darauf erreichten Präventionsworkshops der Pädagogin Yasmina Ramdani rund 5.000 Schüler:innen in Thüringen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt könnte nach den Sommerferien 2026 fortgeführt werden.
Zwischen 2021 und 2026 gaben 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen an, digitale sexualisierte Gewalt in nicht-physischer Form erlebt zu haben. Dazu zählen Cybergrooming, die Weitergabe expliziter Bilder oder Nötigung in Gruppenchats. Die Forschung des Bundesinstituts ergab, dass die Täter:innen oft aus dem eigenen Umfeld stammen – 71 Prozent von ihnen sind männlich –, während die Betroffenen ihre Peiniger häufig kennen.
Zu den Hauptursachen gehören unkontrollierte Internetnutzung, mangelnde Medienkompetenz Jugendlicher und fehlende elterliche Begleitung. Viele Vorfälle geschehen in Freundes- oder Klassengruppenchats, wo Gruppendruck zu Grenzüberschreitungen führen kann. Lehrer:innen sind zwar sensibilisiert, fühlen sich aber oft überfordert, das Thema angemessen zu behandeln.
Ramdanis Workshops konzentrierten sich darauf, Jugendliche über ihre Rechte aufzuklären und ihre Gefühle ernst zu nehmen. Sie betonte, dass auch Eltern ihr eigenes Verhalten reflektieren und mit ihren Kindern über digitale Grenzen sprechen müssten. Ohne offenen Austausch, so die Expert:innen, werde sich das Problem verschärfen.
Das Pilotprojekt in Thüringer Schulen unterstrich den Bedarf an kontinuierlicher Aufklärung über digitale Sicherheit. Fast die Hälfte aller Jugendlichen ist mittlerweile von einer Form sexualisierter Online-Gewalt betroffen. Behörden, Schulen und Familien müssen gemeinsam handeln – durch klarere Regeln, bessere Aufsicht und ehrliche Gespräche über Einvernehmlichkeit.






