07 April 2026, 22:02

Dichand-Familie übernimmt volle Kontrolle der Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Machtkampf

Schwarz-weißer Titel einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt 'Weitpreubliche Zeitung', mit einem Bild einer Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Szenerie.

Dichand-Familie übernimmt volle Kontrolle der Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Machtkampf

Die Familie Dichand steht kurz davor, die volle Kontrolle über Österreichs Kronen Zeitung zu übernehmen, nachdem Christoph Dichand die Zustimmung zum Auskauf der deutschen Miteigentümer erhalten hat. Der Schritt folgt auf Jahrzehnte der Spannungen und ein lang gehegtes Familienziel, die Zeitung unter einem einzigen Erben zu vereinen. Sollte der Deal finalisiert werden, markiert dies das Ende einer gemeinsamen Eigentümerschaft, die bis zur Gründung der Zeitung im Jahr 1959 zurückreicht.

Die Übernahme erfolgt vor dem Hintergrund breiterer Spekulationen über Medien Einfluss in Österreich, wobei Branchenbeobachter auf mögliche politische Verbindungen zu anderen großen Blättern wie dem Kurier hinweisen.

Die Kronen Zeitung wurde 1959 von Hans Dichand gegründet, der frühzeitig finanzielle Unterstützung vom deutschen Unternehmer Kurt Falk erhielt. Falk hielt einen 50-Prozent-Anteil bis 1987, als die Familie Dichand begann, die Kontrolle zurückzugewinnen. Nach Hans Dichands Tod erbten seine Kinder – Christoph, Michael und Johanna – Anteile, doch Christoph trieb die Konsolidierung des Eigentums voran.

Christoph Dichands Bemühungen, die Anteile der Funke-Mediengruppe zu erwerben, waren nun erfolgreich und haben rechtliche Hürden überwunden. Die Funke-Beteiligung lässt sich bis zur Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zurückverfolgen, die 1948 vom Journalisten Jakob Funke in Bochum gegründet wurde. Die WAZ entwickelte sich zur größten Regionalzeitung Deutschlands und beeinflusste später durch Partnerschaften auch den österreichischen Mediensektor.

Das Medienimperium der Familie Dichand beschränkt sich nicht auf redaktionelle Kontrolle. 1988 gründeten sie Mediaprint, ein Joint Venture mit dem Kurier und der WAZ-Gruppe, das für Anzeigen, Druck und Vertrieb zuständig ist. Redaktionelle Entscheidungen bleiben jedoch unabhängig. Die Kronen Zeitung ist seit Langem eine dominierende Kraft in den österreichischen Medien, und Christoph Dichand steht nun kurz davor, den Traum seines Vaters von einer vollständigen Familieneigentümerschaft zu verwirklichen.

Jenseits des Geschäfts haben die Dichand-Geschwister unterschiedliche Wege eingeschlagen. Michael Dichand betreibt einen Bio-Bauernhof, während Johanna Dichand als Kunstsammlerin bekannt ist. Christoph hingegen blieb tief in der Verlagswelt verwurzelt und erbte nicht nur Anteile, sondern auch die Konflikte seines Vaters mit den deutschen Anteilseignern.

Spekulationen über den weiteren Medien Einfluss in Österreich halten an. Brancheninsider vermuten, dass die Raiffeisen-Gruppe, die mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) verbunden ist, versucht haben könnte, die Ausrichtung des Kurier zu prägen. Der vollständige Übergang der Kronen Zeitung in den Besitz der Familie Dichand könnte die Medienlandschaft des Landes weiter verändern.

Sobald der Deal abgeschlossen ist, wird die Kronen Zeitung vollständig in den Händen der Familie Dichand liegen. Christoph Dichands Übernahme beseitigt den letzten externen Anteil und erfüllt damit ein jahrzehntealtes Ziel. Die Zukunft der Zeitung liegt nun allein bei der Gründerdynastie, während in Österreichs Verlagswelt weiterhin Fragen zur Medienunabhängigkeit und politischen Verflechtungen im Raum stehen.

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