Deutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Klemens GorlitzDeutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Die meisten deutschen Unternehmen betrachten digitale Souveränität zwar als Priorität, doch nur wenige haben konkrete Maßnahmen ergriffen. Der "Digital Sovereignty Index" (DSI), erstellt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, belegt, dass 92 Prozent der Unternehmen das Thema für wichtig halten. Allerdings hat nur ein kleiner Teil klare Strategien entwickelt oder die Verantwortung auf höchster Ebene verankert.
Die Umfrage offenbart eine Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung: Zwar halten 92 Prozent der Firmen digitale Souveränität für entscheidend, doch lediglich 13 Prozent haben sie in ihre Unternehmensstrategie integriert. Noch weniger – nur 21 Prozent – verfügen über einen eigenständigen Plan zu ihrer Umsetzung.
Die Zuständigkeit liegt häufig bei den IT-Abteilungen, in denen 46 Prozent der Unternehmen das Thema ansiedeln. Dort beschränkt sich der Fokus jedoch meist auf Cloud-Dienste (72 Prozent) und Sicherheit (91 Prozent). Nur 25 Prozent der Unternehmen binden ihre Führungsebene in die Steuerung digitaler Souveränität ein.
Die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bleibt hoch, insbesondere bei Schlüsseltechnologien wie Cloud Computing, Software und KI. Im Bereich KI bewerten 63 Prozent der Unternehmen ihre Souveränität lediglich als "ausreichend". Dennoch wären 80 Prozent bereit, für souveräne Alternativen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr.
Die Studie erfasste zudem den aktuellen Stand und die angestrebte Reife der Unternehmen. Derzeit erreichen deutsche Firmen im Durchschnitt 65,8 Prozent, ihr Zielwert liegt bei 77,8 Prozent. Eine vollständige Autarkie streben sie jedoch nicht an.
Die Ergebnisse deuten auf einen zurückhaltenden Umgang mit digitaler Souveränität in der deutschen Wirtschaft hin. Viele erkennen zwar ihre Bedeutung, setzen aber weder umfassende Strategien um noch schaffen sie klare Verantwortlichkeiten in der Führungsetage. Angesichts der anhaltenden Abhängigkeit von ausländischen Anbietern wird der Weg zu mehr Souveränität voraussichtlich schrittweise verlaufen – und nicht durch radikale Unabhängigkeit.






