Collien Fernandes kämpft gegen Deepfake-Missbrauch und fordert strengere Gesetze
Ibrahim KargeCollien Fernandes kämpft gegen Deepfake-Missbrauch und fordert strengere Gesetze
Ein aufsehenerregender Fall von Deepfake-Missbrauch hat in Deutschland eine nationale Debatte über digitale Gewalt ausgelöst. Die Schauspielerin Collien Fernandes hat in Spanien Strafanzeige gegen ihren Ex-Mann erhoben – sie wirft ihm vor, ohne ihre Zustimmung explizite Deepfake-Inhalte von ihr erstellt und verbreitet zu haben. Der Fall hat Forderungen nach schärferen Gesetzen laut werden lassen; Politiker drängen nun auf dringende Rechtsreformen.
Ende 2025 leitete Fernandes am Amtsgericht Palma de Mallorca rechtliche Schritte ein. Sie beschuldigt Christian Ulmen – ihren früheren Ehemann – des Identitätsdiebstahls, der Verbreitung von Deepfake-Pornografie mit ihrer Ähnlichkeit sowie wiederholter häuslicher Gewalt. Das Gericht hat inzwischen Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen eingeleitet, die Fernandes als eine Form der "virtuellen Vergewaltigung" bezeichnete.
Die Entscheidung, den Fall in Spanien einzureichen, war bewusst getroffen: Während das deutsche Rechtssystem bisher kaum Schutz vor digitaler Gewalt bietet, sieht die spanische Gesetzgebung klarere rechtliche Möglichkeiten vor. Fernandes' Fall sorgte in Deutschland schnell für Aufsehen, wo Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ankündigte, die nicht einvernehmliche Erstellung von Deepfakes unter Strafe zu stellen.
Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, sprach sich öffentlich für Fernandes aus. Sie nannte die Schauspielerin eine "mutige Frau" und lobte sie dafür, dass sie an die Öffentlichkeit gehe – dies sende ein wichtiges Signal an andere Betroffene. Neubaur kritisierte zudem die zögerliche Reaktion Deutschlands auf die Bedrohung durch Deepfakes und warnte, dass solche Übergriffe längst keine Einzelfälle mehr seien.
Neubaur betonte die Dringlichkeit von Maßnahmen. Sie verwies auf gravierende rechtliche Lücken und forderte Reformen des Sexualstrafrechts. Ihr Vorschlag sieht vor, digitale Gewalt genauso schwer zu bestrafen wie körperliche Angriffe, um bestehende Schutzlücken zu schließen, die Opfer derzeit schutzlos zurücklassen.
Der Fall setzt die deutschen Gesetzgeber unter Zugzwang. Während in Spanien die Ermittlungen laufen, könnte Fernandes' juristischer Kampf die künftige Gesetzgebung beeinflussen. Unterdessen treiben Politiker wie Neubaur Veränderungen voran, um sicherzustellen, dass digitale Übergriffe künftig genauso konsequent geahndet werden wie Straftaten im analogen Raum.






